Geschichte

Auf einem jäh vorspringenden, spitzen Felsenbrocken erhebt sich majestätisch über der Stadt Wettin die Stammburg der Wettiner. Sie besteht aus Ober- und Unterburg und der sogenannten Mittelburg. Es ist anzunehmen, dass im 8./9. Jahrhundert schon eine slawische Wallburg hier stand. 961 wurde Wettin als Vitin civitas erwähnt. Zu dieser Zeit hatte wahrscheinlich Rikdag, Markgraf von Merseburg, Zeitz und Meißen, die Burg und den Ort in Besitz. Nach seinem Tod 985 fielen die Besitzungen an seine Verwandten, dem Grafen Dedi aus Hause Budzici. Dessen Enkel Thiemo nannte sich als erster Graf von Wettin. Thiemos Sohn, Konrad der Große, baute die Burg in ihrem heutigen Umfang aus. Im 12.Jh. gehörten die Wettiner bereits zu den mächtigsten Fürstengeschlechtern Deutschlands (seit 1089 Markgrafen von Meißen, seit 1423 Kurfürsten, z.B. August der Starke, seit 1806 Könige von Sachsen). Konrads Sohn erhielt 1156 die Grafschaft. Die Burggrafen saßen auf der Oberburg. Mit dem Tode Heinrichs III. starb die Wettiner Linie des Grafenhauses 1217 aus. Die wettinischen Grafen von Brehna waren die Erben. An das Erzbistum Magdeburg kam dann die Grafschaft 1208 durch Verkauf.

Unter- und Oberburg wurden oft verpfändet. Die Unterburg verkaufte man 1446 an die von Ammendorf und an die Aus dem Winkel. Die Oberburg wechselte oft ihre Herren. Sie kam an den Grafen von Mansfeld und 1592 an den Administrator Joachim Friedrich von Magdeburg. Im Jahre 1701 entstand die königliche Domäne, denn Wetin war nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges an Brandenburg-Preußen im Jahre 1608 gefallen. Die Besitzverhältnisse des Burgamtes, des Bergamtes Wettin und des Amtes Wettin waren kompliziert.

Prinz Louis-Ferdinand von Preußen hatte zwischen 1803 und1806 die gesammte Burganlage in Besitz. Nach den Befreiungskriegen 1814 wurden die Güter der Ober- und Unterburg als königliche Domäne verpachtet. Die Domänenpächter waren 100 Jahre lang die Familie Meyer mit dem Sitz auf der Oberburg. Der Staat verkaufte 1924 die Domäne nebst Ober- und Unterburg an die Siedlungsgesellschaft "Sachsenland".
Die Oberburg erwarb von dieser der Holländer von Waveren. Dieser Burgteil wurde nun Rittergut Wettin genannt und weiterverkauft: 1931 an den Apotheker Fromm aus Halle, 1933 an Alwin Naue, 1937 an den Regierungspräsidenten von Erfurt ("Staatliches Stiftgut des Kirchen- und Schulfonds der Regierung Erfurt"). 1946 wurde das Stiftgut Staatsgut des Regierungsbezirkes Merseburg und fiel unter die Bodenreform.
Die Unterburg erstand 1924 der Sächsisch-Thüringische Geschichtsverein, der die Burg ausbaute. Nach 1933 richteten die Nationalsozialisten in der Unterburg eine Gauführerschule ein, weitere Um- und Ausbauten wurden vorgenommen. Als Lazarett für amerikanische bzw. sowjetische Besatzungsangehörige wurde nach Kriegsende die Burg genutzt.
Die KPD bzw. die SED hatte von 1945 bis 1947 die Landesparteischule in der Unterburg. Anschließend war sie bis 1949 Landesjugendschule der FDJ. Danach war sie Ausbildungsstätte für die Landwirtschaft: ab 1959 Fachschule für Finanzwirtschaft, seit 1963 für Agrochemie und Pflanzenschutz.

Die Oberburg wurde von 1945 bis 1955 für Vertriebene und Neubauern genutzt.
Sie war dann als Zentrale Berufsschule für Schäfer die einzige Ausbildungsstätte in der DDR.

Seit 1990 ist die gesamte Burganlage im Besitz des Landkreises Saalkreis. Mit vielen finanziellen Mitteln wurde die gesamte Burganlage um- und ausgebaut, und seit September 1991 lernen die Schüler und Schülerinnen des Burg-Gymnasiums Wettin in diesen historischen Mauern. Im Gymnasium wird ein erweiterter Kunstunterricht ab Klasse 9 angeboten.